Konzert: Wild Flag & unbekannte Vorband

05.02.12., Gebäude 9, Köln

Junge Junge! Manche Bands legen ihr ganzes Potential tatsächlich erst live frei. Von Platte sind Wild Flag auch nicht komplett harmlos, aber man hat wirklich keinen Eindruck davon, wie brachial die live rüberkommen. Hätte von der Wucht her auch ein Metal-Konzert sein können. Was haben wir gelernt? Man muss weder jung noch männlich sein, um richtig Radau auf der Bühne zu veranstalten. Aber gut, hier stehen ja auch zwei Viertel Sleater-Kinney auf der Bühne und deren Riot Grrrl-Attitüde haben auch Wild Flag für sich gepachtet.

Carrie Brownstein, die in der tollen und ultranerdigen Comedy-Serie Portlandia so nett und sympathisch rüberkommt, wird live zum Tier. Ich hatte den Eindruck, gleich nimmt sie ihre Gitarre und schlägt um sich. Auch die anderen droschen munter auf ihre Instrumente ein, spielten die ganze Wild Flag-Debütplatte runter und noch ein paar andere Stücke. Ich fand’s super. Etwas länger hätte es gern noch sein dürfen, aber wenn du nur ein Album draußen hast, wat willse machen? 150 Zuschauer an einem arschkalten Sonntagabend in Köln hätten mehr vertragen, kommen aber bestimmt beim nächsten Mal wieder.

Vorher gab’s noch eine Band aus Köln, deren Namen niemand verstanden hat. Spielten so 08/15-Indie, wurden mit zunehmender Dauer etwas besser, aber ich würd mir sicher nichts von denen kaufen.

Konzert: Dream Theater & Periphery

02.02.12., Mitsubishi Electric Halle, Düsseldorf

Dream Theater waren mal meine absolute Lieblingsband. Aber mein Geschmack hat sich noch mal verändert, und die Band brachte in den letzten Jahren einige unterdurchschnittliche Alben heraus (namentlich Octavarium und Systematic Chaos). Dann stieg Über-Ego-Schlagzeuger Mike Portnoy aus, der ebenfalls nur noch rumnervte, und ich dachte: Das kann ein guter Neuanfang für die Band werden. Das letzte, neue Album A Dramatic Turn Of Events war zwar auch nur so mittelprächtig, aber ich beschloss, nach ungefähr zehn Jahren doch mal wieder zu einem Dream Theater-Konzert zu gehen.

Ich hab es nicht bereut. Die können es immer noch, und der neue Schlagzeuger Mike Mangini fügt sich angenehm ein, ohne sich zu sehr in den Vordergrund zu spielen. Obwohl seine komische Schlagzeugkonstruktion (etwa vierhundert Trommeln an einem Rahmen rund um ihn herum) natürlich ordentlich auf dicke Eier macht. Dream Theater machen anno 2012 endlich wieder den Eindruck, als hätten sie Spaß auf der Bühne. Wenn man sich Live-Videos aus den letzen Jahren anschaut, kann man teilweise gut merken, dass die Chemie innerhalbd der Band zerstört war. Aber wann sind die so sehr zur Showband geworden? Dickes Inception-Intro, beeindruckende Lightshow und drei Videowürfel im Hintergrund, auf denen Animationen und Filmchen liefen. Passte sehr gut, hatte ich aber so nicht erwartet.

Bei der Songauswahl hatte ich auch nicht viel zu meckern. Die Songs vom neuen Album haben mir live besser gefallen, aber speziell über alte Klassiker wie 6:00 hab ich mich sehr gefreut. James LaBrie war gut bei Stimme, aber bei einigen Songs merkte man halt doch, dass er nicht mehr der Jüngste ist. Ich versteh nicht, warum er seine Gesanglinien nicht einfach ändert und tiefer singt. Das machen andere auch, und es ist wirklich keine Schande. Zwei Stunden ging das Konzert etwa, da trauert man doch etwas den Drei-Stunden-Shows von früher hinterher. Ein Wort noch zum Sound: Okay, aber ich hab schon besseren Klang bei Dream Theater-Konzerten gehört. Trotzdem: Hinterher bin ich zufrieden nach Hause gegangen.

Im Vorprogramm spielten Periphery, die eine der schlechtesten Vorbands sind, die ich je gesehen habe. Frickel-Mathcore-Lärm (manche Leute nehmen auch dieses schlimme Modewort mit D in den Mund) in einem einzigen Soundbrei. Weg, nächster!

Im Bus

Man sollte sich nicht mit dem eigenen Kind anlegen, wenn dieses deutlich intelligenter ist.

Mutter: “Gib mal das Handy her! Wie du dauernd mit den Sachen umgehst! Der Lautsprecher ist schon kaputt!”
Kind (abgewandt, zu sich selbst): “Ich weiß überhaupt nicht, wie der Lautsprecher angeht.”

Hahaha! Die Diskussion ging dann weiter, das Kind (ein etwa 10jähriger Junge) hatte aber jedes Mal die besseren Argumente parat. Tja, pnwed, wie wir Internetabhängigen so sagen.

Big Love


Big Love ist eine HBO-Serie, die ich mir in den letzten Wochen angesehen habe. Aus unerfindlichen Gründen ist sie in Deutschland ziemlich unbekannt, obwohl fast alle anderen HBO-Produktionen hier seit Jahren abgefeiert werden. Könnte es am Thema liegen? Es geht um den Mormonen Bill Henrickson, der mit seiner Familie in einer Kleinstadt in Utah lebt: mit drei Frauen und etlichen Kindern. Da diese Praktik von der mormonischen Kirche abgelehnt wird (seit 1890, damit Utah der Union beitreten konnte), muss die Familie ihre wahren Lebensumstände vor der Gesellschaft geheimhalten. Das führt zu allerlei interessanten Konflikten, zudem werden die sozialen Zwänge einer Vielehe thematisiert – und was da für ein Rattenschwanz an Problemen dranhängt.

Eine spannende Idee also, wenn mich einer fragt. Ich war mir anfangs nicht so sicher, ob die Ausgangslage reicht, um fünf Staffeln damit zu füllen, aber das geht sehr gut. Die Serie entwickelt sich von Staffel zu Staffel weiter, stagniert nicht, greift neue Elemente auf, fügt neue Facetten hinzu. Die ersten drei Staffeln sind fantastisch, die vierte leider ziemlich enttäuschend mit sinnlosen Charakterwendungen und gezwungenen Entwicklungen, die fünfte beendet die Serie aber versöhnlich. A propos beenden: Der Schluss ist der traurigste, den ich jemals in einer Serie gesehen habe. Ich hatte ein anderes Ende erwartet, aber dieses ist ebenfalls gut, vielleicht sogar noch besser.

Und genau das ist die große Stärke von Big Love: die offensichtlichen Dinge passieren einfach nicht, stattdessen werden immer andere Lösungen gefunden und andere Wege vom Drehbuch eingeschlagen. Ich hoffe sehr, dass diese Autoren bald was Neues schreiben dürfen (die Serie lief im letzten Jahr in den USA aus). Denn die sind wirklich gut. Die Charaktere, die sie erschaffen haben, sind allesamt glaubwürdig, und keiner ist eindimensional. Immer, wenn man glaubt, sich eine Meinung über jemanden gebildet zu haben, gibt es eine Verschiebung und man kann seine Einschätzung wieder ad acta legen. Je mehr Hintergründe man kennen lernt, desto mehr Verständnis hat man auch für die Figuren. Toll! Nur in der vierten Staffel, da übertreiben sie es so, dass man die Wendungen teilweise nicht mehr nachvollziehen kann.

Ein Wort noch zu den Schauspielern: durch die Bank große Klasse. Am allerbesten gefällt mir Grace Zabriskie als Bills Mutter Lois. Die hat irritierenderweise bis heute keinen einzigen Film- oder Fernsehpreis gewonnen, obwohl sie schon 70 ist und grandios spielt. Frechheit!

Die Serie hat mir so gut gefallen, dass ich direkt noch mal von vorne begonnen habe.

E-Mails

Jemand hat mir mitgeteilt, dass er fünfzig neue Mails von diesem Blog bekommen hat. Das liegt daran, dass ich gerade so nach und nach die Beiträge aus dem alten Blog importiere. Leider geht das nicht in einem Abwasch, sondern muss Beitrag für Beitrag erledigt werden. Unglaublich mühsam, aber ich bin noch optimistisch, dass ich durchhalte.

Fazit: Die E-Mail-Benachrichtigung würde ich an eurer Stelle mal für die nächsten Wochen ausschalten.

Let’s crash the mall, dude!

Hab ich schon mal erwähnt, wie sehr ich Einkaufszentren hasse? Ich kann gar nicht verstehen, warum Leute sich sowas als Freizeitspaß antun und samstags beispielsweise nach Oberhausen ins Centro fahren. Nun ja. Ich war heute jedenfalls seit längerer Zeit mal wieder in den City-Arkaden.

Aber ich wollte eigentlich was anderes erzählen. Im Erdgeschoss befindet sich Thalia, diese Buchladenkette. Sagte ich Buchladen? Ich war sehr irritiert, als ich reinkam. Das letzt Mal gab’s da noch lange Wände voll mit Büchern. Jetzt nicht mehr, die Bücher sind in den hinteren Bereich verdrängt, vorne steht so Baby- und Kleinkindertinnef und anderer Schrott, der nichts mit Literatur zu tun hat. Nun, wie dem auch sei, ich wollte mir eigentlich einen Koran kaufen, um mal aus erster Hand zu lesen, was es mit diesem Buch auf sich hat. Es fand sich dann auch ein kleines Regal mit der Überschrift “Weltreligionen” ganz hinten in der Ecke. Aber: Kein Koran. Und überhaupt kein einziges Buch, das nicht eine Bibel war oder Sekundärliteratur zu eben dieser. Ist das nicht sehr bezeichnend? Seufz. Es wird der Zeitpunkt kommen, wo ich nicht mehr in Läden gehe, sondern nur noch im Internet bestelle. (Meinen Lieblingssenf bei Akzenta haben sie auch aus dem Sortiment genommen, die fiesen Schweine.)

Und dann noch eine kleine Festellung im Aufzug. Jemand hatte wohl auf den Alarmknopf gedrückt. Aus dem Lautsprecher kam immer mal wieder eine Stimme: “Hier ist die Notrufleitstelle. Sie werden gleich verbunden.” Als wir nach etwa zwei Minuten ausgestiegen sind, war diese Verbindung immer noch nicht hergestellt. Das gibt einem jetzt nicht direkt großes Vertrauen in unsere Rettungskräfte. Was, wenn wirklich was Ernsthaftes gewesen wäre?

The Return Of Strukturlosigkeit

Kann es sein, dass nur Spielabhängige das DSF einschalten? Ich bin gerade in die Zusammenfassung der Bundesligaspiele von gestern hineingeraten und wundere mich, was in den Werbeblocks für Spots platziert werden: Poker, Sportwetten, mehr Poker.

Ach, schau an, da kommt gerade die Zusammenfassung des Spiels, wegen dem wir am Freitag das Spunk verlassen haben. Das Spunk ist eine Kneipe hier gleich um die Ecke, sehr nett und gemütlich. Aber man muss immer abpassen, ob nicht gerade ein Fußballspiel stattfindet, das zeigen sie dann nämlich live auf zwei großen Monitoren, und dann kann man Unterhaltungen vergessen. Es sei denn, man möchte gerne gegen eine hohe Geräuschkulisse anreden. Das sind dann regelmäßig die Abende, an denen man in einer anderen Kneipe ums Eck landet, dem Wirtschaftswunder. Und sich fragt, warum man da nicht sofort hingegangen ist, weil das ein noch schönerer Laden ist. Aber es gibt nichts zu essen, deshalb bestimmt.

Interessant, was? Ich brauch mehr Artikelthemen auf Zuruf. Einen hab ich noch in der Warteschlange (vielen Dank noch mal, Frau A.), aber ich bin mir noch immer unsicher, ob ich dazu was schreiben kann bzw. will.

Themenwechsel! Ich seh mir gerade “KDD – Kriminaldauerdienst” an, eine hochgelobte ZDF-Serie. Ich kann nicht nachvollziehen, warum. Sicher, das Ding orientiert sich von der Optik her an amerikanischen Serien, ist ganz interessant inszeniert. Aber das alleine reicht doch wohl nicht, da verlange ich etwas mehr, zum Beispiel Inhalt. Und der ist schlimm, schlimm, schlimm. Kleiner Auszug? Aktuell gibt es einen Handlungsstrang mit einer jungen Polizistin, die schwanger wird. Sie weiß nicht, ob das Kind von dem alten Alkoholiker-Kollegen oder dem jungen Arschloch-/Frauenhasser-Kollegen ist. Auf dem Weg zur Abtreibungsklinik läuft sie vor einen Laster, fällt zwei Monate ins Koma. Danach ist die Abtreibungsfrist ausgelaufen und sie muss das Kind austragen… Wer denkt sich denn bitte so eine Scheiße aus? Aber aufhören kann ich auch nicht, verdammte Axt!

So. Ende.

Konzert: Spin Doctors

22.01.12, Köln, Yard Club

Wo der Unterschied zwischen der Kantine und dem Yard Club liegt, muss mir mal einer erklären. Ist das gleiche Gebäude und soweit ich das sehen konnte, auch der gleiche Raum. Aber egal. Das Konzert war im Yard Club angesetzt, also sagen wir der Einfachheit halber, ich wäre im Yard Club gewesen. Ein schöner Laden übrigens, interessante Kunstwerke hängen von der Decke runter, einige Wände sind mit alten Konzertpostern vollgeklebt.

Jetzt aber zum Konzert. Die Spin Doctors waren gut, aber eine leichte Enttäuschung kann ich doch nicht verhehlen. Vielleicht war der ganze Auftritt einfach zu routiniert. Besonders der Sänger, Chris Barron, kam etwas irritierend rüber mit seiner aufgesetzten guten Laune. Überhaupt ist das ein merkwürdiger Typ, hat was leicht Psychotisches, und hüpft gerne auf der Bühne rum wie Rumpelstilzchen. Beim Gitarristen neben ihm war ich mir nicht sicher, ob sein Outfit eine Parodie auf Rockstars sein sollte: gelbes Netzhemd, drüber so eine Schlabberjacke, auf dem Kopf eine Bandana. Aber wurscht, die Musik zählt ja. Und die wurde doch sehr perfekt rübergebracht, extrem sicher im Zusammenspiel und mit allen Songs von der Pocket Full Of Kryptonite. Live variierten sie die Songs aber durch diverse Jam-Ausflüge und zwei Solo-Slots.

Das Schlagzeug-Solo war tatsächlich fantastisch. Ich mag sowas eigentlich nicht, aber der Typ hier war super und hat immer den ursprünglichen Rhythmus beibehalten, so dass die Geschichte sehr musikalisch war. (Sonst ist sowas ja oft von der Sorte “kuckt mal, wie toll ich trommeln kann” und die Leute schauen gelangweilt auf ihre Uhren.) Das direkt anschließende Bass-Solo hätten sie sich aber sparen können, der Mann ist zwar ein fantastischer Bassist, aber nur rein technisch. Was ich super fand: Barron erzählte zwischendurch, dass sie mit Two Princes so viel Geld verdient haben, dass sie nie wieder arbeiten gehen müssen. So ehrliche Aussagen hört man von Musikern ja selten, sehr sympathisch.

Insgesamt dürften es so zwei Stunden Musik gewesen sein. Ich hätte gerne noch den einen oder anderen Song von Turn It Upside Down gehört, aber gut, machse nix. Fazit: So richtig ist der Funke nicht übergesprungen, aber es war doch ein nettes Konzert. Noch mal seh ich mir die Spin Doctors aber vermutlich nicht an.