Ich habe ein paar Tage gebraucht, um das Trauma zu überwinden, jetzt kann ich endlich darüber schreiben. Letztes Wochenende war ich auf einem Trödelmarkt. Aber nicht auf irgendeinem, sondern dem Vohwinkeler Trödelmarkt in Wuppertal, dem größten seiner Art in Nordrhein-Westfalen. Meine Freundin hatte dort einen Stand, ich habe geholfen. Wenn ich allerdings vorher gewusst hätte, was mich erwartet, wäre ich schreiend weggelaufen.
Der Scheiß geht nämlich eine ganze Nacht und einen ganzen Tag. Von Sonntag, 0.00 Uhr, bis Sonntag, 18.00 Uhr. 18 Stunden, Alter! Nun gut, in unserem Fall 17 Stunden, aber das reicht ja immer noch. Wir sind gegen ein Uhr mit dem Auto reingefahren, haben den Kram aufgebaut und das Auto wieder rausgefahren. Man kommt dann wirklich bis zum späten Sonntagnachmittag nicht mehr rein. Schlecht, wenn man nur zu zweit ist, so wie wir. Dann muss man nämlich wohl oder übel die 17 Stunden durchhhalten. Man kann den Stand ja nicht einfach verlassen und sich irgendwo schlafen legen.
Dadurch nimmt dieser Flohmarkt wirklich extreme Formen an. Menschen schlafen in Liegestühlen auf dem Gehweg oder auch auf Müllsäcken mit ‘ner Decke drüber. Nachts ist das ganze junge Volk unterwegs. Zum Morgen hin wird es etwas ruhiger. Dann aber brechen die Rentner-Rudel ein und schieben sich an den Ständen vorbei. Die sind leider weniger unterhaltsam als die jungen Leute und feilschen auch um jeden Cent. Überhaupt unglaublich, was die Leute teilweise für Preisvorstellungen haben. Geiz ist geil regiert die Welt, nichts hat mehr einen Wert.
Der Schlafmangel macht einem spätestens ab dem späteren Morgen zu schaffen. Phasenweise saß ich da, starrte vor mich hin und war gar nicht richtig anwesend. Später war mir dann auch richtig schlecht. Wirklich bemerkenswert, wie der Körper reagiert, wenn man ihm den Schlaf entzieht. Irgendwann kann man auch einfach keine vorbeiziehenden Menschen mehr sehen. Dass wir manchen Leuten zum Schluss hin nicht ins gesicht Gespuckt haben, ist auch alles.
Neben uns der Ralf hatte wenigstens permanent Kundschaft. Der Ralf ist aber auch Gewerblicher. Sieht aus wie ein Schlagersänger, redet auch ungefähr so und ist einer der Leute, mit denen ich normalerweise kein einziges Wort wechseln würde. War dann aber doch ganz nett. Zusammen mit seiner Freundin/Frau Steffi (Steffi und Ralf – mehr Klischee geht wirklich nicht) verkauft er irgendwelche Putztücher und so Reinigungszeugs. Die Alten haben ihm den Scheiß aus den Händen gerissen, aber auch die jüngeren Leute. Daniela und ich saßen da und dachten: Das kann doch nicht wahr sein!
Und dann war es vorbei. Wir haben den Stand abgebaut und sind endlich, endlich schlafen gegangen. Ich glaube, ich habe mich in meinem ganzen Leben noch nie so auf Schlaf gefreut. Ich mache sowas nie wieder. Vielleicht mit mehreren Leuten, dass man sich abwechseln kann, aber auf keinen Fall zu zweit. Vielleicht ein netter, kleiner Flohmarkt, der morgens anfängt und nachmittags endet. Aber nie, nie mehr den Vohwinkeler. Dieses Jahr waren übrigens 220.000 Menschen da.
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