Schluss, aus, Wiedersehen

Das war’s. Reichlich unspektakulär ist heute unsere Fortbildung zum Fachredakteur beim mibeg Institut für Medien zu Ende gegangen. An unserem letzten Tag haben wir die Projektarbeiten präsentiert und konnten dann, weil wir schnell waren, mittags nach hause gehen. Es ist ein etwas seltsames Gefühl, die Leute nicht mehr täglich zu sehen, mit denen man die letzten sechs Monate verbracht hat. Aber dafür warten ja ab Montag im Praktikum neue Herausforderungen.

Das Projekt, an dem ich mitgewirkt habe, war übrigens ein alternatives Kölner Stadtmagazin mit dem titel Gegendarstellung. Ist im Endeffekt ganz gut geworden, wie ich finde. Zwischendurch hatten wir aber tatsächlich so etwas wie Stress, weil die Frickelei mit dem Design-Programm QuarkXPress doch zeitaufwendiger ist, als man meint. Jetzt komme ich mit dem Programm aber ganz gut zurecht.

mibeg sehe ich im November und Dezember aber für jeweils zwei Praktikumsbegleittage wieder – und damit vermutlich auch die meisten Teilnehmer.

Flohmarkt extrem

Ich habe ein paar Tage gebraucht, um das Trauma zu überwinden, jetzt kann ich endlich darüber schreiben. Letztes Wochenende war ich auf einem Trödelmarkt. Aber nicht auf irgendeinem, sondern dem Vohwinkeler Trödelmarkt in Wuppertal, dem größten seiner Art in Nordrhein-Westfalen. Meine Freundin hatte dort einen Stand, ich habe geholfen. Wenn ich allerdings vorher gewusst hätte, was mich erwartet, wäre ich schreiend weggelaufen.

Der Scheiß geht nämlich eine ganze Nacht und einen ganzen Tag. Von Sonntag, 0.00 Uhr, bis Sonntag, 18.00 Uhr. 18 Stunden, Alter! Nun gut, in unserem Fall 17 Stunden, aber das reicht ja immer noch. Wir sind gegen ein Uhr mit dem Auto reingefahren, haben den Kram aufgebaut und das Auto wieder rausgefahren. Man kommt dann wirklich bis zum späten Sonntagnachmittag nicht mehr rein. Schlecht, wenn man nur zu zweit ist, so wie wir. Dann muss man nämlich wohl oder übel die 17 Stunden durchhhalten. Man kann den Stand ja nicht einfach verlassen und sich irgendwo schlafen legen.

Dadurch nimmt dieser Flohmarkt wirklich extreme Formen an. Menschen schlafen in Liegestühlen auf dem Gehweg oder auch auf Müllsäcken mit ‘ner Decke drüber. Nachts ist das ganze junge Volk unterwegs. Zum Morgen hin wird es etwas ruhiger. Dann aber brechen die Rentner-Rudel ein und schieben sich an den Ständen vorbei. Die sind leider weniger unterhaltsam als die jungen Leute und feilschen auch um jeden Cent. Überhaupt unglaublich, was die Leute teilweise für Preisvorstellungen haben. Geiz ist geil regiert die Welt, nichts hat mehr einen Wert.

Der Schlafmangel macht einem spätestens ab dem späteren Morgen zu schaffen. Phasenweise saß ich da, starrte vor mich hin und war gar nicht richtig anwesend. Später war mir dann auch richtig schlecht. Wirklich bemerkenswert, wie der Körper reagiert, wenn man ihm den Schlaf entzieht. Irgendwann kann man auch einfach keine vorbeiziehenden Menschen mehr sehen. Dass wir manchen Leuten zum Schluss hin nicht ins gesicht Gespuckt haben, ist auch alles.

Neben uns der Ralf hatte wenigstens permanent Kundschaft. Der Ralf ist aber auch Gewerblicher. Sieht aus wie ein Schlagersänger, redet auch ungefähr so und ist einer der Leute, mit denen ich normalerweise kein einziges Wort wechseln würde. War dann aber doch ganz nett. Zusammen mit seiner Freundin/Frau Steffi (Steffi und Ralf – mehr Klischee geht wirklich nicht) verkauft er irgendwelche Putztücher und so Reinigungszeugs. Die Alten haben ihm den Scheiß aus den Händen gerissen, aber auch die jüngeren Leute. Daniela und ich saßen da und dachten: Das kann doch nicht wahr sein!

Und dann war es vorbei. Wir haben den Stand abgebaut und sind endlich, endlich schlafen gegangen. Ich glaube, ich habe mich in meinem ganzen Leben noch nie so auf Schlaf gefreut. Ich mache sowas nie wieder. Vielleicht mit mehreren Leuten, dass man sich abwechseln kann, aber auf keinen Fall zu zweit. Vielleicht ein netter, kleiner Flohmarkt, der morgens anfängt und nachmittags endet. Aber nie, nie mehr den Vohwinkeler. Dieses Jahr waren übrigens 220.000 Menschen da.

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Südstadt, zehn Uhr dreißig

Ich möchte gar nicht mehr aussteigen, so gut ist diese Busfahrt. Ständig steigen neue interessante Menschen ein und aus. Links von mir sitzt die dünnste Frau der Welt, nennen wir sie Anorexia. Bleich, rotes T-Shirt, blondierte Haare, schwarze Strähnen. Anorexia hat einen kleinen Hund auf dem Schoß, der an meinem Jackett knabbert. Der Blick schweift nach links. Dort, weiter hinten, sitzt ein dicker Rocker, der aussieht wie Rick Rubin. Auch die Sonnenbrille passt.

Mir gegenüber hat inzwischen ein junger Mann mit Kapuzenpulli Platz genommen. Er kramt ein Buch aus seinem abgewetzten Leder-Rucksack: Solschenizyn, Der Archipel Gulag. Ich bin verdutzt, dachte ich doch, sowas würde seit mindestens dreißig Jahren keiner mehr lesen. So kann man sich täuschen.

Der Blick fällt inzwischen aus dem Fenster. Vor einer Kneipe verkündet ein Schild: Heute Cocktail Gambling! Vermutlich geht es darum, Getränke mit unbekanntem Inhalt zu bestellen. Oder aber: Man trinkt so viele Cocktails, bis man entweder eine Alkoholvergiftung bekommt oder nicht. Russisch Roulette mit Alkohol quasi.

Heute ist ein guter Tag.

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Reim in Flammen

Dieses etwas dümmliche Wortspiel ist nicht auf meinen Mist gewachsen. Nein, es handelt es sich um den Titel eines einmal im Monat stattfindenden Poetry Slams hier in Köln. Und zwar im Club mit dem geschmacklosen Namen Tsunami. Was die sich dabei gedacht haben, möchte ich auch mal wissen. Aber das soll hier nicht Thema sein, sondern der Poetry Slam.

Ich war zum ersten Mal auf so einer Veranstaltung und habe mich prächtig amüsiert. Interessant, wie verschieden die Vortragsarten da sind, es geht von Gedichten über Kurzgeschichten bis hin zu lupenreiner Comedy. Oder die so genannten Slammer (fragt mich der Typ am Eingang: "Bist du auch Slammer?" Ich: "Wat?"). Der eine trägt ruhig vor, der nächste schreit sein Zeug ins Mikrofon. Aber der war eh seltsam, ein Typ namens Sushi – in der Szene nicht unbekannt, wie mir F. verriet. Bekannt hin oder her: Der Typ ist einfach ein Idiot und sein Text war absolute Scheiße.

Deshalb ist er auch in der Vorrunde ausgeschieden. Es gab zwei Gruppen, die ersten beiden einer Gruppe mussten im Halbfinale gegeneinander antreten, über Kreuz (wie beim Fußball). Eine lustige Dreier-Jury vergab Punkte und das Publikum warf Rosen und Schwämme. Jede Rose gibt einen Pluspunkt, für jeden Schwamm wird einer abgezogen. Gewonnen hat Christian Ritter, der es meiner Meinung nach auch verdient hatte. Ein sehr gelungener Abend, ich gehe sicherlich mal wieder hin.

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Dschihad

Na, das wurde aber auch mal Zeit. Endlich kann man im Fernsehen auch sehen, wie deutsche Flaggen in muslimischen Ländern verbrannt werden. Danke, Ratze! Hättest deine Worte wirklich etwas besser wählen können. Andererseits: Kein Grund, sich von einer wie auch immer gearteten Religion die Meinungsfreiheit einschränken zu lassen. Diese Angst vor muslimischen Extremisten muss endlich aufhören. Freiheit ist das höchste Gut, das wir haben.

Anderes Thema: Wenn man krank ist, träumt man absurde Sachen. Ich plage mich mal wieder mit einem seltsamen Erkältungs-/Grippe-Virus herum. Letzte Nacht träumte ich, wie ich durch ein Gebäude lief und von irgendwoher Musik kam, live gespielt. Beim Näherkommen merkte ich, dass es sich um Dream Theater handelte. Um die ecke kommend, traf ich auch schon John Petrucci, der mich fragte, ob ich ihm nicht ein paar Frauen besorgen könnte. Dann wachte ich auf. (Notiz: John Petrucci ist übrigens verheiratet.)

So langsam, so langsam …

… nähert sich die mibeg-Fortbildung dem Ende. Heute hatten wir unseren letzten Unterrichtstag, ab morgen gehen wir in unsere Projektarbeit, die die letzten beiden Wochen ausfüllen wird. Zum Schluss gab es drei Tage Medienrecht. Las sich auf dem Papier eher beängstigend, war in Wirklichkeit aber sehr unterhaltsam, was auch am sehr guten Dozenten lag. Ist wirklich gut, dass jetzt allmählich Schluss ist. Alle wollen nur noch raus aus dem Laden und rein ins Praktikum.

Gesammelte Werke (1)

Huch, die Film-Rubrik habe ich in den letzten Monaten aber sträflich vernachlässigt. Ich war zwar nicht mehr im Kino, habe aber einige Filme auf DVD gesehen. Hier eine kleine Auswahl…

The Weatherman
Nicolas Cage ist scheinbar immer dann gut, wenn er was Ernsthafteres spielen darf und immer dann grenzwertig, wenn er den coolen Checker geben muss. In die erste Kategorie fällt seine Rolle hier – und siehe da: Hervorragender Film! Es liegt aber auch am ganzen Drumherum: Gute Story, interessante Motive, überzeugende Nebenrollenbesetzung. Thematisch ganz klar eine Tragikomödie, ein Genre, das in letzter Zeit viel zu selten bedient wird.
9/10

Broken Flowers
Ganz gut, aber mehr auch nicht. Ich mag Jim Jarmusch sehr gerne, aber der Film hier ist mir fast schon zu ruhig, zu stoisch. Bill Murray ist gut besetzt, aber der Film hat so seine Längen, wie ich finde. Außerdem finde ich die Thematik nicht unbedingt so wahnsinnig interessant.
7/10

Oliver Twist
Die Literaturadaptionen aus jüngster Zeit überzeugen mich nicht mehr. Keine Ahnung, woran das liegen könnte. Polanskis Film reiht sich da leider ein, meine Erwartungshaltung wurde doch ziemlich enttäuscht. Oliver Twist krankt an meistens zu überzogen dargestellten Charakteren, die eher an einen Kinderfilm erinnern als an Erwachsenenkino. Außerdem, so leid es mir tut, ist der Streifen einfach hundserbärmlich langweilig.
4/10

Rumour Has It… (Wo die Liebe hinfällt)
"Chick flick" nennt meine Freundin so etwas. Also Filme für Frauen mit Herz und Schmerz und überhaupt. Tja, und dann das: Astreine Unterhaltung! Ich habe lange nicht mehr so gelacht. Alleine Shirley Maclaine ist schon so großartig in ihrer Rolle, dass sich das Anschauen lohnt. Wirklich ein sehr gelungener Film, der von lustig bis traurig das gesamte Spektrum abgrast.
8/10

Gehnse doch zu Aldi!

Ich war eben bei der Post und wollte einen Karton für mein kaputtes Notebook kaufen, das ich erfolgreich bei Ebay verticken konnte. Natürlich hatten sie keins von diesen schicken Packsets in der gewünschten Größe da rumliegen. Im Gegenteil: Sie hatten noch die alten Größen, obwohl DHL vor drei Monaten neue Maße eingeführt hat.

Ich also zu der Ische am Schalter.
Olsen: “Tach, ich brauch mal ein Packset Größe M. Die neuen Größen.”
Post-Ische: “Hamwa nich.”
Olsen: “Wie, hamse nich?”
Post-Ische: “Nee, Lieferprobleme.”
Olsen: “Wat, Lieferprobleme bei Verpackungskartons?”
Post-Ische: “Jaha!”
Olsen: “Und woher kriege ich jetzt einen Karton?”
Post-Ische: “Gehnse doch zu Aldi! Oder Plus! Die ham doch immer Kartons rumliegen.”

Meine Freundin hatte doch Recht. Alles Vollidioten in dem Laden. Leider ist der nächste Hermes-Shop zu weit weg. Na, ich gehe jetzt jedenfalls mal in den Keller und suche einen Karton.

Die Horde

Wenn man mal richtig Stress möchte, braucht man nur samstags zu Ikea nach Düsseldorf zu fahren. Denn offensichtlich haben einige tausend andere Idioten auch nichts Besseres vor. Aber gut, was willst du machen, wenn deine Freundin hinwill, um sich etwas für ihr neues WG-Zimmer zu besorgen.

Es ist ein bisschen so wie im Phantasialand mitten in den Schulferien: Eine riesige Menschenhorde treibt durch die Gänge, die Geräuschkulisse ähnelt einem Manowar-Konzert (also: sehr, sehr laut). Überall randalieren nervige Arschloch-Kinder, derern Eltern es aufgegeben haben, die Kontrolle behalten zu wollen. Vereinzelt schreit aber doch mal jemand: "Jenniiieee! Jennniieee, komm jetzt! Ich habe dir gesagt, du sollst es sein lassen! Jenniieee!"

Mein persönlicher Höhepunkt war eine Tussi, die ein Tattoo auf dem Arm hatte, auf dem stand: In God We Trust. Währenddessen pries die Lautsprecheranlage: "In unserem Restaurant haben wir heute einen leckeren Eintopf für dich." Ich gebe zu, ich bin spießig, aber wenn ich in ein Möbelhaus gehe, dann möchte ich da nicht von den Durchsagen geduzt werden. Dieser neue Ikea-Stil wirkt auf mich ja leicht sektenmäßig, muss ich sagen.

An der Kasse durfte ich dann auch noch in den Genuss von Danielas Sturheit kommen. Als wir uns der Kassiererin nähern, drückt sie mir ihre Ikea Family-Karte in die Hand.

Ich: "Was macht diese Karte?"
Sie: "Ach, erklär ich dir gleich."
Ich: "Ich will es aber jetzt wissen. Also, was macht diese Karte?"
Sie: "Ist doch egal, benutz sie einfach."
Ich: "Nee, sehe ich nicht ein. Sag’s mir doch einfach."
Sie: "Herrgott noch mal!" (Oder so ähnlich.)

Ich habe die Karte dann benutzt, aber sofort die Kassiererin gefragt, wofür so eine Karte gut ist. Im Payback-Zeitalter habe ich wirklich keine Lust, einfach irgendwelche Chipkarten zu benutzen. Egal.

Ach ja, gekauft habe im Endeffekt ich zwei Müslischalen. Daniela konnte sich für nichts entscheiden. Soll ich den Klischeesatz schreiben? …Ich tu’s: So sind sie halt, die Frauen.

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