Im Bus

Man sollte sich nicht mit dem eigenen Kind anlegen, wenn dieses deutlich intelligenter ist.

Mutter: “Gib mal das Handy her! Wie du dauernd mit den Sachen umgehst! Der Lautsprecher ist schon kaputt!”
Kind (abgewandt, zu sich selbst): “Ich weiß überhaupt nicht, wie der Lautsprecher angeht.”

Hahaha! Die Diskussion ging dann weiter, das Kind (ein etwa 10jähriger Junge) hatte aber jedes Mal die besseren Argumente parat. Tja, pnwed, wie wir Internetabhängigen so sagen.

Big Love


Big Love ist eine HBO-Serie, die ich mir in den letzten Wochen angesehen habe. Aus unerfindlichen Gründen ist sie in Deutschland ziemlich unbekannt, obwohl fast alle anderen HBO-Produktionen hier seit Jahren abgefeiert werden. Könnte es am Thema liegen? Es geht um den Mormonen Bill Henrickson, der mit seiner Familie in einer Kleinstadt in Utah lebt: mit drei Frauen und etlichen Kindern. Da diese Praktik von der mormonischen Kirche abgelehnt wird (seit 1890, damit Utah der Union beitreten konnte), muss die Familie ihre wahren Lebensumstände vor der Gesellschaft geheimhalten. Das führt zu allerlei interessanten Konflikten, zudem werden die sozialen Zwänge einer Vielehe thematisiert – und was da für ein Rattenschwanz an Problemen dranhängt.

Eine spannende Idee also, wenn mich einer fragt. Ich war mir anfangs nicht so sicher, ob die Ausgangslage reicht, um fünf Staffeln damit zu füllen, aber das geht sehr gut. Die Serie entwickelt sich von Staffel zu Staffel weiter, stagniert nicht, greift neue Elemente auf, fügt neue Facetten hinzu. Die ersten drei Staffeln sind fantastisch, die vierte leider ziemlich enttäuschend mit sinnlosen Charakterwendungen und gezwungenen Entwicklungen, die fünfte beendet die Serie aber versöhnlich. A propos beenden: Der Schluss ist der traurigste, den ich jemals in einer Serie gesehen habe. Ich hatte ein anderes Ende erwartet, aber dieses ist ebenfalls gut, vielleicht sogar noch besser.

Und genau das ist die große Stärke von Big Love: die offensichtlichen Dinge passieren einfach nicht, stattdessen werden immer andere Lösungen gefunden und andere Wege vom Drehbuch eingeschlagen. Ich hoffe sehr, dass diese Autoren bald was Neues schreiben dürfen (die Serie lief im letzten Jahr in den USA aus). Denn die sind wirklich gut. Die Charaktere, die sie erschaffen haben, sind allesamt glaubwürdig, und keiner ist eindimensional. Immer, wenn man glaubt, sich eine Meinung über jemanden gebildet zu haben, gibt es eine Verschiebung und man kann seine Einschätzung wieder ad acta legen. Je mehr Hintergründe man kennen lernt, desto mehr Verständnis hat man auch für die Figuren. Toll! Nur in der vierten Staffel, da übertreiben sie es so, dass man die Wendungen teilweise nicht mehr nachvollziehen kann.

Ein Wort noch zu den Schauspielern: durch die Bank große Klasse. Am allerbesten gefällt mir Grace Zabriskie als Bills Mutter Lois. Die hat irritierenderweise bis heute keinen einzigen Film- oder Fernsehpreis gewonnen, obwohl sie schon 70 ist und grandios spielt. Frechheit!

Die Serie hat mir so gut gefallen, dass ich direkt noch mal von vorne begonnen habe.

E-Mails

Jemand hat mir mitgeteilt, dass er fünfzig neue Mails von diesem Blog bekommen hat. Das liegt daran, dass ich gerade so nach und nach die Beiträge aus dem alten Blog importiere. Leider geht das nicht in einem Abwasch, sondern muss Beitrag für Beitrag erledigt werden. Unglaublich mühsam, aber ich bin noch optimistisch, dass ich durchhalte.

Fazit: Die E-Mail-Benachrichtigung würde ich an eurer Stelle mal für die nächsten Wochen ausschalten.

Let’s crash the mall, dude!

Hab ich schon mal erwähnt, wie sehr ich Einkaufszentren hasse? Ich kann gar nicht verstehen, warum Leute sich sowas als Freizeitspaß antun und samstags beispielsweise nach Oberhausen ins Centro fahren. Nun ja. Ich war heute jedenfalls seit längerer Zeit mal wieder in den City-Arkaden.

Aber ich wollte eigentlich was anderes erzählen. Im Erdgeschoss befindet sich Thalia, diese Buchladenkette. Sagte ich Buchladen? Ich war sehr irritiert, als ich reinkam. Das letzt Mal gab’s da noch lange Wände voll mit Büchern. Jetzt nicht mehr, die Bücher sind in den hinteren Bereich verdrängt, vorne steht so Baby- und Kleinkindertinnef und anderer Schrott, der nichts mit Literatur zu tun hat. Nun, wie dem auch sei, ich wollte mir eigentlich einen Koran kaufen, um mal aus erster Hand zu lesen, was es mit diesem Buch auf sich hat. Es fand sich dann auch ein kleines Regal mit der Überschrift “Weltreligionen” ganz hinten in der Ecke. Aber: Kein Koran. Und überhaupt kein einziges Buch, das nicht eine Bibel war oder Sekundärliteratur zu eben dieser. Ist das nicht sehr bezeichnend? Seufz. Es wird der Zeitpunkt kommen, wo ich nicht mehr in Läden gehe, sondern nur noch im Internet bestelle. (Meinen Lieblingssenf bei Akzenta haben sie auch aus dem Sortiment genommen, die fiesen Schweine.)

Und dann noch eine kleine Festellung im Aufzug. Jemand hatte wohl auf den Alarmknopf gedrückt. Aus dem Lautsprecher kam immer mal wieder eine Stimme: “Hier ist die Notrufleitstelle. Sie werden gleich verbunden.” Als wir nach etwa zwei Minuten ausgestiegen sind, war diese Verbindung immer noch nicht hergestellt. Das gibt einem jetzt nicht direkt großes Vertrauen in unsere Rettungskräfte. Was, wenn wirklich was Ernsthaftes gewesen wäre?

The Return Of Strukturlosigkeit

Kann es sein, dass nur Spielabhängige das DSF einschalten? Ich bin gerade in die Zusammenfassung der Bundesligaspiele von gestern hineingeraten und wundere mich, was in den Werbeblocks für Spots platziert werden: Poker, Sportwetten, mehr Poker.

Ach, schau an, da kommt gerade die Zusammenfassung des Spiels, wegen dem wir am Freitag das Spunk verlassen haben. Das Spunk ist eine Kneipe hier gleich um die Ecke, sehr nett und gemütlich. Aber man muss immer abpassen, ob nicht gerade ein Fußballspiel stattfindet, das zeigen sie dann nämlich live auf zwei großen Monitoren, und dann kann man Unterhaltungen vergessen. Es sei denn, man möchte gerne gegen eine hohe Geräuschkulisse anreden. Das sind dann regelmäßig die Abende, an denen man in einer anderen Kneipe ums Eck landet, dem Wirtschaftswunder. Und sich fragt, warum man da nicht sofort hingegangen ist, weil das ein noch schönerer Laden ist. Aber es gibt nichts zu essen, deshalb bestimmt.

Interessant, was? Ich brauch mehr Artikelthemen auf Zuruf. Einen hab ich noch in der Warteschlange (vielen Dank noch mal, Frau A.), aber ich bin mir noch immer unsicher, ob ich dazu was schreiben kann bzw. will.

Themenwechsel! Ich seh mir gerade “KDD – Kriminaldauerdienst” an, eine hochgelobte ZDF-Serie. Ich kann nicht nachvollziehen, warum. Sicher, das Ding orientiert sich von der Optik her an amerikanischen Serien, ist ganz interessant inszeniert. Aber das alleine reicht doch wohl nicht, da verlange ich etwas mehr, zum Beispiel Inhalt. Und der ist schlimm, schlimm, schlimm. Kleiner Auszug? Aktuell gibt es einen Handlungsstrang mit einer jungen Polizistin, die schwanger wird. Sie weiß nicht, ob das Kind von dem alten Alkoholiker-Kollegen oder dem jungen Arschloch-/Frauenhasser-Kollegen ist. Auf dem Weg zur Abtreibungsklinik läuft sie vor einen Laster, fällt zwei Monate ins Koma. Danach ist die Abtreibungsfrist ausgelaufen und sie muss das Kind austragen… Wer denkt sich denn bitte so eine Scheiße aus? Aber aufhören kann ich auch nicht, verdammte Axt!

So. Ende.

Konzert: Spin Doctors

22.01.12, Köln, Yard Club

Wo der Unterschied zwischen der Kantine und dem Yard Club liegt, muss mir mal einer erklären. Ist das gleiche Gebäude und soweit ich das sehen konnte, auch der gleiche Raum. Aber egal. Das Konzert war im Yard Club angesetzt, also sagen wir der Einfachheit halber, ich wäre im Yard Club gewesen. Ein schöner Laden übrigens, interessante Kunstwerke hängen von der Decke runter, einige Wände sind mit alten Konzertpostern vollgeklebt.

Jetzt aber zum Konzert. Die Spin Doctors waren gut, aber eine leichte Enttäuschung kann ich doch nicht verhehlen. Vielleicht war der ganze Auftritt einfach zu routiniert. Besonders der Sänger, Chris Barron, kam etwas irritierend rüber mit seiner aufgesetzten guten Laune. Überhaupt ist das ein merkwürdiger Typ, hat was leicht Psychotisches, und hüpft gerne auf der Bühne rum wie Rumpelstilzchen. Beim Gitarristen neben ihm war ich mir nicht sicher, ob sein Outfit eine Parodie auf Rockstars sein sollte: gelbes Netzhemd, drüber so eine Schlabberjacke, auf dem Kopf eine Bandana. Aber wurscht, die Musik zählt ja. Und die wurde doch sehr perfekt rübergebracht, extrem sicher im Zusammenspiel und mit allen Songs von der Pocket Full Of Kryptonite. Live variierten sie die Songs aber durch diverse Jam-Ausflüge und zwei Solo-Slots.

Das Schlagzeug-Solo war tatsächlich fantastisch. Ich mag sowas eigentlich nicht, aber der Typ hier war super und hat immer den ursprünglichen Rhythmus beibehalten, so dass die Geschichte sehr musikalisch war. (Sonst ist sowas ja oft von der Sorte “kuckt mal, wie toll ich trommeln kann” und die Leute schauen gelangweilt auf ihre Uhren.) Das direkt anschließende Bass-Solo hätten sie sich aber sparen können, der Mann ist zwar ein fantastischer Bassist, aber nur rein technisch. Was ich super fand: Barron erzählte zwischendurch, dass sie mit Two Princes so viel Geld verdient haben, dass sie nie wieder arbeiten gehen müssen. So ehrliche Aussagen hört man von Musikern ja selten, sehr sympathisch.

Insgesamt dürften es so zwei Stunden Musik gewesen sein. Ich hätte gerne noch den einen oder anderen Song von Turn It Upside Down gehört, aber gut, machse nix. Fazit: So richtig ist der Funke nicht übergesprungen, aber es war doch ein nettes Konzert. Noch mal seh ich mir die Spin Doctors aber vermutlich nicht an.

K wie Katze

Soeben habe ich gelernt, was die wirklichen Probleme in diesem Land sind. Arbeitslosigkeit? Pah! Finanzkrise? Ach wo! Schwache Politiker? Lächerlich! Nein, es sind Katzen. Oder präziser: der Umgang mit diesen.

Völlig fassungslos las ich gerade mein Lieblingslokalblatt Westdeutsche Zeitung online und freute mich über sinnlose Unfallstatistiken oder einen schönen Bericht über ausgeraubte Rentner. Das richtig wichtige Zeug also, mit dem sich die Lokalblätter in Deutschland tagein, tagaus selbst eine Existenzberechtigung zu basteln versuchen. Hin und wieder gibt es auch mal einen Bericht über interne Machtkämpfe der Wuppertaler CDU. Was all diese Artikel im Online-Portal gemein haben: Meistens finden sich nur ein paar Nasen, die das kommentieren möchten – wenn’s hochkommt, mal zehn oder zwanzig.

Und dann geschah es aber, dass ein Gebot ausging vom Kaiser die Wuppertaler Polizei eine kranke Katze erschoss. Klicken Sie hier und lesen Sie. Und siehe da: 131 Kommentare! (Aktueller Stand.) Ich fasse es nicht. Ehrlich, ich fasse es nicht. So sieht’s also aus, das interessiert die Leute wirklich, eine tote Katze! Allmählich neige ich dazu, zu sagen: Die Leute bekommen genau den Journalismus, den sie verdienen. Und sie bekommen auch genau die Politiker, die sie verdienen. Auch, wenn es da jetzt keinen unmittelbaren Zusammenhang gibt.

Wulff, ich hab eine gute Idee, wie du aus deiner momentanen Bredouille wieder rauskommst: Verschenk einfach ein paar Katzen. Möglichst öffentlichkeitswirksam, vielleicht an krebskranke Kinder. Das wär doch was. Im Nu reden die Leute über nichts anderes mehr.

Nehmt mich!

Die Farce um unseren derzeitigen Bundespräsidenten amüsiert mich. Leider kann man nicht mal richtig jubeln, weil sich die Arschlöcher von der Bild dann darin bestätigt sehen, irgendwas richtig zu machen. Und dieser Eindruck darf auf keinen Fall entstehen, denn Bild ist und bleibt ein fieses, volksverhetzendes Schundblatt.

Mir kam jedenfalls gerade eine Idee. Da ich immer noch auf Arbeitssuche bin: Nehmt mich als Bundespräsidenten! Ich kann sensationell gut repräsentieren, in der Gegend rumstehen und Reden halten. Ich traue mir zu, mit treuem Blick in Kameras zu schauen und Gesetze zu unterzeichnen.

Aber ach, da fällt mir ein, ein Bundespräsident muss mindestens 40 Jahre alt sein. Verdammt! Dann plädiere ich doch wie bisher dafür, dieses sinnlose Amt endlich abzuschaffen.